Rantum
Friesisch: Raantem = Randheim
Rantum ist ein Ortsteil der Gemeinde Sylt im Kreis Nordfriesland, an der schmalsten Stelle von Sylt, wo zwischen West- und Ostküste nur rund ein halber Kilometer liegt.
Der Ortsname wird meist als Ort am Rande gelesen, nach der alten Schreibung Raanteem. Eine zweite Deutung stellt ihn zur Meeresgöttin Ran, gilt aber als weniger wahrscheinlich. Urkundlich greifbar ist Rantum erst im 15. Jahrhundert. In früheren Jahrhunderten lag die Westküste der Insel vier bis fünf Kilometer weiter draußen, wo ein Riff das Land schützte; in der Senke dahinter lag fruchtbares Marschland, an dem die Rantumer Anteil hatten.
Vier Kirchen, drei Dorflagen
Mit dem Marschland verschwand der Wohlstand, und der wandernde Sand rückte nach. Die Westersee-Kirche ging wahrscheinlich in der Allerheiligenflut von 1436 unter, ein zweiter Bau um 1652. Die 1725 errichtete dritte Kirche lag zunächst weit von den Dünen entfernt und war 1757 vom Sand begraben. Den weiter östlich gesetzten Nachfolgebau traf 1801 dasselbe Schicksal, danach gab man das Kirchspiel auf. Erst 1964 erhielt der Ort mit der reetgedeckten Sankt-Peter-Kirche wieder ein eigenes Gotteshaus.
Auch das Dorf selbst wurde im Verlauf von tausend Jahren mindestens dreimal verlegt. Bei starkem Ostwind und Ebbe treten im Watt gelegentlich Brunnenringe aus Grassoden oder Abdrücke von Rinderhufen und Wagenrädern zutage. Nahe dem Ort lag die Rantumburg, eine der Sylter Ringwallanlagen, die ebenfalls unter Sand verschwand. Von 40 abgabenpflichtigen Häusern im Jahr 1695 blieben 1769 noch 28 mit 102 Bewohnern, 1803 lebten hier 53 Menschen. Das letzte Haus des alten Rantums wurde 1819 versteigert und 1821 abgerissen.
Vom Tiefpunkt zum Nordseebad
1903 bestand der nach Osten versetzte Ort nur noch aus fünf Häusern. Die Verbliebenen nahmen das verlassene Land in Gemeinbesitz und lebten von Dünenhalm, Weidegeld und Jagdverpachtung, 1906 verteilte die Gemeinde das Gelände zwischen Puan Klent und Westerland an die Hausbesitzer. Mit dem ersten Haus im Stiindeelki begann 1933 der Fremdenverkehr, drei Jahre später zog das Militär ein und baute Kasernen für den Seefliegerhorst sowie einen Schutzdeich. Strom kam 1940 aus Westerland. 1948 wurde Hörnum ausgegliedert, Rantum bildete eine eigene Gemeinde und führt seit 1973 das Prädikat Nordseebad.
Aus den Militäranlagen entstanden Kinder- und Erholungsheime; als katholisches Gotteshaus diente von 1975 bis 1999 die umgebaute Baracke Stella Maris. Das Rantumbecken, ein von der Wehrmacht für Wasserflugzeuge eingedeichtes Wattgebiet, ist heute Vogelschutzgebiet mit über 180 nachgewiesenen Arten und wird wie die benachbarte Eidum-Vogelkoje vom Verein Jordsand betreut. Aus dem Anleger des Seefliegerhorstes wurde 1977 ein tideabhängiger Sportboothafen. Seit 1989 schützt ein Deich das Wohngebiet Rantum-Inge, östlich davon liegen weite Salzwiesen. Die Strandabschnitte im Westen tragen seit den 1930er Jahren exotische Namen, damals begann es mit Abessinien.
Am 1. Januar 2009 trat Rantum dem Zusammenschluss von Westerland und Sylt-Ost zur Gemeinde Sylt bei. An den Kapitän und Inselchronisten Henning Rinken erinnert ein Straßenname, an Merret Lassen und ihre kinderreiche Familie ein weiterer. Nördlich des Ortskerns steht ein 193 Meter hoher Sendemast, dessen Funknavigationsdienst Ende 2015 eingestellt wurde. Die Schutzstation Wattenmeer unterhält im Ort eine Niederlassung.
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Zu den Angaben
Zur ersten Nennung des Ortes gibt es keine übereinstimmende Angabe: die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt das Jahr 1462, die Wikipedia verweist auf eine Seekarte von 1142 in Kopenhagen, räumt für diese Frühzeit aber selbst ein, dass Belege fehlen. Amtliche Kenndaten weist das Gemeindeverzeichnis nur für die Gemeinde Sylt aus. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Brich 1998, Hubertus Jessel 1989, Jessen 1967, Kohl 1846, Laur 1992, Leonhardt 1980, Rinken 1992.