Tümlauer Koog
Tümlauer Koog ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, im äußersten Westen von Eiderstedt an der Tümlauer Bucht. Auf 6,20 Quadratkilometern leben 104 Einwohner (Stand Ende 2025).
Die Gemeinde deckt sich mit dem Tümlauer Koog, der ihr den Namen gibt, und liegt hinter dem Seedeich an der Tümlauer Bucht. Ihren Namen verdankt die Bucht einem Besitzer des Graffenkoogs, der hier nur zwischen 1699 und 1717 lag. Von diesem älteren Koog blieb nichts; die heutige Marschfläche entstand erst Mitte der 1930er Jahre, wobei 32 Siedlerstellen geschaffen wurden. Verwaltet wurde das Gebiet zunächst von Tating, 1936 wurde es eine eigene Gemeinde.
Musterkoog der Nationalsozialisten
Eingeweiht wurde der Koog im Oktober 1935 von Hermann Göring, nach dem er bis 1945 auch benannt war. Er gehörte zu den Musterkögen der nationalsozialistischen Politik von Blut und Boden, ebenso wie der Bupheverkoog auf Pellworm. Die Siedler waren nach rassistischen Kriterien ausgewählt worden. Nach 1945 löste sich die Siedlergemeinschaft auf, und die erste Siedlergeneration wanderte überwiegend ab.
Glocke und Wappen
Zur Einweihung kam eine Glocke in einen hölzernen Turm. Sie warnte vor Feuer und Sturmfluten, bis Sirenen diese Aufgabe übernahmen, und sie gibt Geburten bekannt: je Pfund Geburtsgewicht läutet sie eine Minute lang. Die Originalglocke trug Runen, Hakenkreuze und Inschriften des Reichsnährstands. Nach ihrem Austausch stand sie ab 2008 an der Gedenkstätte für die Kriegsgefallenen, 2011 ließ die Gemeindevertretung Glocke und Erläuterungstafel entfernen. Ein Wappen mit Fischkutter, Glocke und Schaf gab sich die Gemeinde 2010 zum 75. Jahrestag.
Die Sturmflut vom Februar 1962 zerstörte große Teile des Seedeiches. Tausende italienische und jugoslawische Gastarbeiter setzten ihn instand und erhöhten ihn; der noch höheren Flut von 1976 hielt er stand. Einen Ortskern hat die Gemeinde nicht, die Bauern- und Siedlungshäuser reihen sich entlang der etwa sechs Kilometer langen Koogstraße zwischen Sankt Peter-Ording und Westerhever. Kirchlich gehört der Koog zu Tating. Neben der Landwirtschaft tragen Ferienunterkünfte und eine Marina zum Erwerb bei.
Zu den Angaben
Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Zum Abschluss der Eindeichung nennt die Wikipedia das Jahr 1935, die frühere Nordfriesland-Datenbank 1934. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.