Wenningstedt
Wenningstedt ist ein Ortsteil der Gemeinde Wenningstedt-Braderup (Sylt) im Kreis Nordfriesland, rund drei Kilometer nördlich von Westerland oberhalb des Roten Kliffs.
Der Ortsname wird als Wohnplatz der Leute des Winni gedeutet. Urkundlich fassbar ist er im 15. Jahrhundert, im Zinsbuch des Bistums Schleswig. Älter ist die Siedlung mit Sicherheit: nach Johannes Mejers Nordfriesland-Karte lag rund zwei Kilometer westlich der heutigen Küste ein Ort Wendingstadt, der mit der Sturmflut von 1362 samt großer Landflächen verloren ging. Eine alte, aber unbewiesene Überlieferung lässt die Stammesführer Hengest und Horsa von hier aus nach England aufbrechen; daran erinnert der Straßenname Horsatal.
Aus vorgeschichtlicher Zeit stammen zahlreiche Grabhügel. Der bekannteste ist das Denghoog am nördlichen Ortsrand, ein rund 5.000 Jahre altes Ganggrab aus zwölf Tragsteinen und drei Deckplatten, dessen Name Thinghügel bedeutet. Geöffnet wurde es 1868, zugänglich ist es seit 1928. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bestand der Ort nur aus acht Stavenplätzen, also Höfen, und die Bewohner lebten von Landwirtschaft und Fischfang. Viele Männer fuhren auf Heringsfang oder beteiligten sich ab etwa 1650 am Walfang, was das größte Elend beendete.
Seebad und Norddörfer
Als Gründungsjahr des Seebades gilt 1859, damals mit zwanzig Gästen. Das erste Haus seiner Art war 1889 das zweistöckige Central-Hotel, 1907 kam die Kaiserliche Post hinzu, in der heute das Bürgermeisteramt sitzt. 1914 entstand am Dorfteich die protestantische Friesenkapelle; bis dahin mussten die Wenningstedter im Winter den weiten Weg zur Severinkirche in Keitum nehmen, und nur im Sommer fand für Kurgäste ein Gottesdienst im Saal eines Gasthofs statt. Gemeinsam mit Kampen und Braderup bildete der Ort ab 1871 die Gemeinde Norddörfer, ein Name aus der Zeit, als List noch unmittelbar zu Dänemark gehörte. Kampen löste sich im März 1927 heraus, woraufhin sich die Gemeinde Norddörfer im Juli desselben Jahres in Wenningstedt umbenannte; seit dem 12. August 2002 lautet der Name Wenningstedt-Braderup.
Nordseeheilbad ist der Ort seit 1960 und bezeichnet sich heute als Familienbad; mit etwa einer Million Übernachtungen im Jahr zählt er zu den größten Urlaubsorten Schleswig-Holsteins. Das Kurhaus, in dem früher Trinkkuren, Massagen sowie Schlick- und Heilbäder angeboten wurden, ist aufgegeben und abgerissen. Den Dorfteich im Zentrum schenkten die Eigentümerfamilien in den 1950er Jahren der Gemeinde mit der Auflage, ihn öffentlich zugänglich zu halten; eine Satzung schreibt für die angrenzende Bebauung Reetdächer vor. Nordöstlich liegt die Braderuper Heide, die schon in den 1920er Jahren Naturschutzgebiet wurde und an den Nationalpark grenzt. Östlich der Gemeinde entstand 1989 zwischen Dünen und Heide ein Golfplatz.
Unterhalb des Roten Kliffs zieht sich über die ganze Länge des Ortes ein Sandstrand. In den Dünen darüber erinnert ein Gedenkstein an die ehemalige Segelflugschule. Während des Zweiten Weltkriegs stand nordwestlich des Ortes eine schwere Seezielbatterie, die britische Besatzungstruppen in den 1950er Jahren sprengten und Pioniere der Bundeswehr später vollständig abtrugen. Der Arzt und Schriftsteller Paul Dahlke richtete um 1914 ein buddhistisches Heim ein und ließ 1920 in der Braderuper Heide ein Denkmal aus roten Ziegelsteinen errichten, dessen Buchstaben 1932 oder 1933 herausgeschlagen wurden und das die Nationalsozialisten im Herbst 1939 zerstörten. Auf dem Ehrenfriedhof westlich der Kapelle sind die Lebensdaten der Gefallenen mit germanischen Runenzeichen eingetragen.
Verwandte Einträge
Zu den Angaben
Zum Anschluss an die Sylter Inselbahn nennen die Quellen verschiedene Jahre: die frühere Nordfriesland-Datenbank 1903, die Wikipedia 1907. Die erste urkundliche Nennung des Ortsnamens ist nur im Archiveintrag datiert und steht hier deshalb allein als Jahrhundert. Amtliche Kenndaten weist das Gemeindeverzeichnis nur für die Gesamtgemeinde aus. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.