Wester-Ohrstedt

Friesisch: Weester Uurst · Dänisch: Vester Ørsted

Wester-Ohrstedt ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, auf der Geest südlich der Imme, rund zehn Kilometer östlich von Husum. Auf 18,54 Quadratkilometern leben 1.085 Einwohner (Stand Ende 2025).

Urkundlich erscheint Westerohrstede im Jahr 1438. Was der Namensteil Ohr bedeutet, ist unklar: er geht entweder auf altnordisch arr für Bote oder Engel zurück oder auf altnordisch ardr für Pflug. Der Ort wäre demnach die Stätte des Boten oder die westliche Pflugstätte. Die Imme, an der das Gemeindegebiet liegt, mündet weiter nordwestlich bei Viöl in die Arlau. Innerhalb des Gemeindegebiets entspringt östlich von Ohrstedt-Bahnhof die Husumer Mühlenau, die südlich an der Dorflage vorbeifließt.

Hügelgräber aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit belegen eine frühe Besiedlung, bekannt sind mehr als vierzig Funde und elf Grabhügel. Zwischen 1200 und 1420 stand im Südwesten die Haneburg, wohl eine Turmhügelburg, von der heute nichts mehr erkennbar ist; nur der Name einer Straße und eines Hofs erinnern an sie. Bis zum Krieg von 1864 gehörte der Ort zum Kirchspiel Schwesing innerhalb der Nordergoesharde im Herzogtum Schleswig. Nach der Annexion bildete Preußen aus dem Kirchspiel eine Kirchspielslandgemeinde, zu der neben Wester-Ohrstedt die Dorfschaften Ahrenviöl, Hochviöl, Immenstedt, Schwesing und Oster-Ohrstedt zählten. Am 1. April 1934 wurde sie aufgelöst, damit entstand die eigene Gemeinde.

Verkoppelung und Eisenbahn

Anfang 1770 erfolgte die Verkoppelung, bei der die bis dahin größtenteils gemeinschaftlich genutzten Ländereien den Bauern durch Los zugeteilt wurden. Wenige waren bereit, sich außerhalb des Dorfes anzusiedeln, und daraus gingen Bremsburg, Westerholz und Arl hervor.

Mit der Eröffnung der Südschleswigschen Eisenbahn im Jahr 1854 und dem Bau des Bahnhofs im heutigen Ortsteil Ohrstedt-Bahnhof kam die Moderne ins Dorf. Die Strecke bauten Engländer, was den für die Region eigenwilligen britischen Stil des inzwischen abgerissenen Bahnhofsgebäudes erklärte. Seit 1984 hält hier kein Zug mehr. 1890 entstanden am Schwabstedter Damm Häuser auf Rentenbasis für die Deputatarbeiter des Gutes Westerholz, weshalb die Straße seither Rentenstraße genannt wird.

1956 wurde der frühere Hof Ohlingslust zum Luftwaffenmaterialdepot ausgebaut; als Speziallager der Bundeswehr besteht es noch heute. Die Schulen in Bremsburg und Wester-Ohrstedt schlossen 1964, als die Gemeinden Ahrenviöl, Oster-Ohrstedt und Wester-Ohrstedt eine gemeinsam erreichbare Dörfergemeinschaftsschule errichteten. 1968 folgte eine Flurbereinigung, im westlichen Ortsbereich entstanden preisgebundene Wohnhäuser für Bundeswehrangehörige, aus denen das Westerende wurde. Ab 1974 wies die Gemeinde nacheinander weitere Baugebiete aus und baute eine Gemeindehalle, seit 1997 besteht in der Hauptsiedlung eine Vollkanalisation.

Die Wirtschaft ist ländlich-mittelständisch geprägt, neben der Landwirtschaft ist nahezu jedes handwerkliche Gewerk mit einem Unternehmen vertreten. Seit Dezember 2013 gibt es einen MarktTreff, in dem ein Lebensmittelgeschäft, ein Bäcker und eine Bankfiliale untergebracht sind und der den Einwohnern als Treffpunkt dient. Dazu kommen ein evangelischer Kindergarten und seit 2013 eine Kinderkrippe. Durch das Gemeindegebiet führen die Bundesstraße 201 von Husum nach Schleswig und die Bahnstrecke von Jübek nach Husum.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Wester-Ohrstedt (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Wester-Ohrstedt
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Laur 1992.