Knut Jungbohn Clement
Knut Jungbohn Clement, geboren 1803 in Norddorf/Amrum, gestorben 1873 in Jersey City, war Privatdozent und Schriftsteller.
Clement arbeitete zunächst als Volksschullehrer, verließ Amrum aber mit 17 Jahren, um in Altona auf das Gymnasium zu gehen. Studiert hat er anschließend in Kiel Theologie, in Heidelberg dann Philosophie, Geschichte und Sprachwissenschaft; seinen Unterhalt verdiente er als Hauslehrer. Das Examen bestand er 1835 in Kiel und wurde mit einer Arbeit promoviert, in der er die Friesen als das eigentliche urdeutsche Volk darstellte. Mit einem Reisestipendium des dänischen Königs bereiste er ab 1836 drei Jahre lang mittel- und westeuropäische Länder. Von 1841 an hielt er in Kiel als Privatdozent gut besuchte Vorlesungen zu Sprache und Geschichte.
Nordfriesisches Volksbewusstsein
Eine Professur erhielt er nie. Die Kieler Fakultät hielt seine Thesen für wissenschaftlich schwach und sein Auftreten für überheblich, weshalb er auf die Einnahmen aus seinen Schriften angewiesen blieb. Ab 1842 rückte er politisch von Dänemark ab und gab wohl als erster Nordfriese einem eigenen nordfriesischen Volksbewusstsein öffentlich Ausdruck, wofür damals weder Schleswig-Holsteiner noch Dänen Verständnis aufbrachten. Gemeinsam mit Christian Feddersen organisierte er 1844 und 1845 die Volksfeste der Nordfriesen in Bredstedt und warb dort dafür, dass sich Nordfriesland der schleswig-holsteinischen Bewegung anschließe. Seiner Schrift von 1845 stellte er den Spruch Lewer duad üs Slaav voran, der seither als Wahlspruch der Friesen gilt.
1848 weigerte er sich, Kiel wie die übrigen als dänisch geltenden Beamten per Schiff zu verlassen, und zog stattdessen in die Nähe von Hamburg. Sein Gehalt verlor er damit und lebte als freier Schriftsteller. Er veröffentlichte Aufsätze über die friesische Sprache, gab friesische Märchen und Wortlisten im Öömrang heraus und gab Moritz Momme Nissen wichtige Anregungen. Mit einer Schrift über den Zustand der Nordseeküste setzte er sich gegen den Widerstand der Strandvögte für Seefeuer ein; auf ihn geht der Bau des Amrumer Leuchtturms zurück. 1869 verließ er Hamburg, lebte zwei Jahre auf Amrum und wanderte dann in die Vereinigten Staaten aus.
Wie seine Schriften zu lesen sind
Clement verklärte die friesische Geschichte häufig im romantischen Sinn. Er vertrat zudem die These einer rassischen Überlegenheit der Nordgermanen und zählt damit zu den frühen Vertretern rassistischen Denkens; die Amrumer bezeichnete er als edelste Rasse der Menschheit. An dem Germanenmythos, der das 19. Jahrhundert durchzog, hat er damit mitgewirkt. Seine sprachwissenschaftlichen Aufsätze und Wortsammlungen sind davon unabhängig überliefert und gehören zu den frühen Zeugnissen der nordfriesischen Sprachforschung.
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Zu den Angaben
Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Zum Tod weichen die Quellen ab: Die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt den 9. Oktober 1873 und Jersey City, die Wikipedia den 7. Oktober 1873 und Bergen in New Jersey. Auch das Ende der Kieler Dozentur wird mit 1846 oder 1847 angegeben. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Johannes Jensen: Nordfriesland in den geistigen und politischen Strömungen des 19. Jahrhunderts (1797-1864), Neumünster 1961, Nachdruck: Bräist/Bredstedt 1993.