V. Tams Jörgensen

V. Tams Jörgensen, geboren 1924 in Husum, gestorben 1987 in Bredstedt, war Sprachwissenschaftler und Institutsleiter.

Aufgewachsen ist er in Husum, als Kind des schleswigschen Grenzlandes, dessen bewegte Geschichte sich in seinem Leben spiegelt. Zum Kriegsdienst eingezogen wurde er 1942; er wurde verwundet, geriet in sowjetische Gefangenschaft und kam 1945 krank zurück. Daraus wurde eine feste Ablehnung jedes Kriegsdienstes. Ab 1946 studierte er Deutsch und Englisch, in Freiburg, in Kiel und in Kopenhagen, und schloss mit glänzenden Examen ab.

Aus einer mit Auszeichnung bewerteten Spezialarbeit über die Mooringer Mundart ging 1955 das "Frasch-Tjüsch-Dånsch Uurdebök" hervor, in den nordfriesischen Farben gebunden und mehrfach neu aufgelegt. Die Erfahrung der NS-Diktatur ließ ihn nach seiner volklichen Zugehörigkeit fragen, und er fand zur dänischen Sprache und Kultur. Prägend wurde für ihn der Gedanke der folkelighed beim Dänen N. F. S. Grundtvig, Theologe und Philosoph: Hinwendung zur eigenen Sprache und Kultur bei gleichzeitigem Respekt für die anderen.

Nordfriisk Instituut

Dass das Nordfriisk Instituut in Bredstedt 1964/65 zustande kam, geht in hohem Maße auf seine Initiative zurück, und unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern war er der erste. Zwei Jahrzehnte prägte er das Haus, zuständig für das sprachliche Gebiet und ab 1971 als Leiter. Er betreute Veröffentlichungen zum Friesischen, führte von 1968 bis 1985 die Schriftleitung des Nordfriesischen Jahrbuchs, lehrte ab 1971 mit einem Lehrauftrag Friesisch an der Pädagogischen Hochschule Flensburg und gab Sprachkurse. Für die Unabhängigkeit des Instituts und seine nationalpolitische Neutralität setzte er sich mit Energie ein; vom eigenen Bekenntnis zur dänischen Minderheit hielt er das strikt getrennt.

Die Verbindung zu Ost- und Westfriesland lag ihm früh am Herzen. In den 1950er Jahren war er bei den ersten Nachkriegskongressen der Friesen dabei, und die interfriesischen Studentenlager, seit 1965 jährlich im Wechsel in einem der Frieslande, kamen vor allem durch seinen Einsatz zustande. Ohne ihn hätte es das Biikebrennen auf dem Stollberg wohl nicht gegeben, mit dem das Fest auf dem Festland wieder Fuß fasste. Bei Fragen zu Rechtschreibung und Grammatik des Friesischen galt er vielen als letzte Instanz. Die Arbeit Albrecht Johannsens für das Friesische hielt er für vorbildlich, und dass er mit ihm den Geburtstag teilte, hat er manches Mal erwähnt.

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Zu den Angaben

Die Lebensdaten folgen der früheren Nordfriesland-Datenbank. Die Angaben folgen einem Nachruf von Thomas Steensen in der Zeitschrift Nordfriesland; einen Wikipedia-Artikel gibt es nicht. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Jörgensen, V. Tams (Archivfassung 2018)

Weiterführende Literatur

  • Aus: Thomas Steensen: Abschied von Tams Jörgensen. In: Nordfriesland Nr. 77/78 (Juni 1987), S. 9-10.