Ludwig Nissen

Ludwig Nissen, geboren 1855 in Husum, gestorben 1924 in New York, war Diamantenhändler in New York und Stifter.

Als sechstes von zehn Kindern eines Reepschlägers wuchs er in der Neustadt von Husum auf. Nach der Konfirmation arbeitete er als Schreiber am Amtsgericht im Husumer Schloss, wo zur gleichen Zeit Theodor Storm als Richter tätig war; persönliche Beziehungen zwischen beiden sind nicht überliefert. Mit sechzehn Jahren verließ er die Heimatstadt und fuhr im August 1872 mit Erlaubnis der Eltern von Hamburg nach New York. Von den zehn Geschwistern wanderten vier aus, nur drei blieben in Nordfriesland. Mehr zu dieser Bewegung steht im Eintrag Auswanderung.

Aufstieg in New York

Die ersten Jahre verliefen wechselhaft. Er putzte Stiefel, spülte Geschirr und arbeitete als Kellner, Kassierer, Schlachter und Gastwirt; mehrfach brachen seine Geschäfte zusammen oder Partner betrogen ihn. Im Mai 1881 eröffnete er gemeinsam mit einem Diamantensetzer aus Hamburg eine Juwelenhandlung, die trotz Schulden schnell aufstieg und später an die Fifth Avenue umzog. In der Vereinigung der New Yorker Juwelenhändler stieg er 1891 zum Schatzmeister und 1895 zu ihrem Präsidenten auf.

Weitere Ehrenämter folgten. 1897 wurde er Kommissar der Stadt Brooklyn für die Ausstellung in Atlanta, 1900 Schatzmeister der New Yorker Staatskommission für die Weltausstellung in Paris, 1901 Kommissar für die Panamerikanische Ausstellung in Buffalo. Als Direktoriumsmitglied von Banken und Versicherungen hatte er erheblichen Einfluss, und die Präsidenten Roosevelt, Taft und Coolidge suchten das Gespräch mit ihm. Amerikaner geworden, trat er dennoch für Deutschland ein und widersprach der Darstellung, die kaiserliche Regierung habe den Ersten Weltkrieg verschuldet.

Das Vermächtnis für Husum

Bereits 1915 hielt er in einem Testament fest, seiner Geburtsstadt ein kulturelles Erbe schaffen zu wollen, gewidmet dem Gedächtnis seiner Eltern. 1920 besuchte er Husum erstmals wieder und bezog den Landrat in die Pläne ein, 1921 machte er sie öffentlich. Vorgesehen war ein Haus mit dem Charakter eines Volkshauses, eines Museums und einer Kunstgalerie, dazu Räume für wohltätige, wissenschaftliche und erzieherische Zwecke. Für das Vermächtnis wählte er die Form einer selbstständigen Stiftung, damit sie von wechselnden politischen und wirtschaftlichen Strömungen unabhängig blieb.

Die Stadt Husum setzte er als Erbin seines Vermögens von 2,5 Millionen Mark ein; aus dem Nachlass seiner Witwe kamen später 170.000 Dollar hinzu, sodass die Erbschaft insgesamt gut drei Millionen Mark betrug. Den Bau führte der Eiderstedter Architekt Georg Rieve aus, unter der Kuppel der Rotunde ruht die Asche des Stifters. Seither zeigt das Haus als Nordfriesisches Museum die Natur und Kultur der Küstenlandschaft. Dazu kommt eine Sammlung amerikanischer Malerei des 19. Jahrhunderts, in der auch Carl Ludwig Jessen vertreten ist.

Zu den Angaben

Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Zum Bau des Nissenhauses weichen die Angaben ab. Die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt die Jahre 1934 bis 1937, die Wikipedia eine Grundsteinlegung am 2. November 1933 und eine Ausführung bis 1939. Als Sterbeort steht in der Infobox New York, genauer war es der Stadtteil Brooklyn. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Nissen, Ludwig (Archivfassung 2018)
  2. Wikipedia: Ludwig Nissen

Weiterführende Literatur

  • Thomas Steensen: Im Zeichen einer neuen Zeit. Nordfriesland 1800 bis 1918, Bräist/Bredstedt 2005.