Schimmelreiter

Der Schimmelreiter ist die letzte und bekannteste Novelle Theodor Storms. Im Mittelpunkt steht der erfundene Deichgraf Hauke Haien, der einen neuen Deich baut und in einer Sturmflut umkommt.

Erzählt wird in drei Stufen. Ein namenloser Erzähler erinnert sich an einen Text, der ihm einst in einem Blatt begegnet ist. Darin reitet ein Reisender bei Sturm und Regen über einen Deich, als eine dunkle Reitergestalt auf einem Schimmel an ihm vorbeizieht und in einer Wehle verschwindet. In der nächsten Wirtschaft berichtet der Reisende davon, und ein alter Schulmeister erzählt daraufhin das Leben Hauke Haiens.

Die Handlung

Hauke ist Sohn eines Landvermessers und Kleinbauern und hilft dem Vater beim Messen und Rechnen. Niederländisch lernt er, um eine Ausgabe der Werke Euklids lesen zu können. Am Deich sitzt er bis in die Nacht und überlegt, wie sich der Schutz verbessern ließe, wenn die Seeseite des Bauwerks flacher ausläuft. Als Knecht beim Deichgrafen Tede Volkerts fällt er durch Rechnen und Planen auf, was ihm den Großknecht Ole Peters zum Gegner macht. Durch die Heirat mit Elke, der Tochter des Deichgrafen, kommt er an den nötigen Grundbesitz und wird selbst Deichgraf.

Sein Schimmel gilt im Dorf als das wieder lebendig gewordene Skelett eines Pferdes, das vorher auf der verlassenen Hallig Jeverssand lag. Den neuen Deich setzt Hauke gegen Widerstand durch, ein Koog entsteht, und er selbst besitzt darin bereits große Flächen. Als die Arbeiter nach altem Brauch etwas Lebendes einmauern wollen, rettet er den Hund und gilt manchen seither als verflucht. Der alte Deich neben dem neuen bleibt marode, Hauke beschränkt sich auf Flickwerk. In einer schweren Sturmflut bricht er, Elke und die Tochter Wienke kommen um, und Hauke reitet in die Fluten.

Stoff und Deutung

Storm nannte den Text eine Novelle, dehnte die Gattung aber. Statt einer einzigen unerhörten Begebenheit stehen mehrere im Werk, und der Weg der Hauptfigur vom Kind bis zum Tod erinnert an einen Entwicklungsroman. Der Konflikt liegt in Haukes Seele und entfaltet sich auf mehreren Ebenen: Mensch gegen Natur, Einzelner gegen Dorfgemeinschaft, Rechnen gegen Aberglauben. Christian Begemann sieht darin, dass das Mythische in eine durchrationalisierte Welt zurückkehrt und deren Sicherheit in Frage stellt. Einen vergleichbaren Fall erkennt er in Fontanes Ballade Die Brück am Tay.

Für die Figur des rechnenden Deichgrafen soll der Fahretofter Hans Momsen Vorbild gewesen sein, den Storm in der Novelle mit der Bemerkung "Die Friesen rechnen gut" erwähnt. Wie die Bauwerke wirklich entstanden, steht beim Deichbau. Der 1958 bis 1960 gewonnene Hauke-Haien-Koog trägt den Namen der erfundenen Figur.

Zu den Angaben

Hauke Haien ist eine erfundene Figur. Der Novelle liegt eine Sage zugrunde, mit der sich Storm über Jahrzehnte befasste. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Wikipedia: Der Schimmelreiter