Reußenkoog

Der Reußenkoog ist ein Koog in der Gemeinde Reußenköge im Kreis Nordfriesland, bedeicht im Jahr 1789. Er ist rund 500 Hektar groß, der Deich war bei der Bedeichung etwa 6,2 Kilometer lang.

Der Reußenkoog ist nach seinem Erbauer benannt, Graf Heinrich XLIII. Reuß zu Köstritz. Er liegt in der Gemeinde Reußenköge bei Bredstedt zwischen dem Sophien-Magdalenen-Koog und dem Sönke-Nissen-Koog.

Das Erbe von Desmercières

Der Koog gehört zum Bredstedter Werk. Nachdem der Versuch gescheitert war, die ganze Bucht vor Bredstedt in einem Zug einzudeichen, hatte Jean Henri Desmercières Stück für Stück zwei Köge gewonnen. Er starb 1778 ohne Kinder. Sein Vermögen, vor allem das angewachsene Vorland, ging an die Familien seiner Stiefnichten und damit an die Grafen Reuß. Die neuen Eigentümer wollten nicht nur Land, sie wollten auch die älteren Deiche dahinter entlasten.

Deichbau in Abschnitten

Im Frühjahr 1787 begann die Arbeit, und sie verlief ohne große Schwierigkeiten. Der Deich wurde in Abschnitte von etwa 50 Metern geteilt und an sogenannte Pflugleute vergeben. Viele Tagelöhner kamen aus den Geestdörfern der Umgebung. Im Sommer 1789 war der Koog fertig.

Marschland für Geestbauern

Das Land wurde in Losen von 16 bis 30 Demat meistbietend verkauft. Die meisten Käufer lebten in den Nachbarkögen oder auf der Geest und ergänzten ihre Höfe mit einem Stück fruchtbarer Marsch. Deshalb entstanden im Koog selbst kaum Höfe, lange waren es nur zwei.

Entwässert wurde zunächst über den Bordelumer Priel und das Bordelumer Siel. Seit der Bedeichung des Sönke-Nissen-Kooges übernimmt das dortige Siel diese Aufgabe. Heute wirtschaftet kein Landwirt mehr mit eigener Hofstelle im Koog, die Flächen bestellen Betriebe von außerhalb, überwiegend als Ackerland.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Belegt sind das Bedeichungsjahr (digitales Deichverzeichnis des Landes), die Fläche (Wikipedia) und die Deichlänge (Wikipedia). Kenndaten erscheinen hier nur, wenn eine frei zugängliche Quelle sie stützt. Weitere Werte aus der früheren Nordfriesland-Datenbank werden derzeit mit dem Standardwerk von Harry Kunz und Albert Panten abgeglichen. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen des Kooges.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Reußenkoog (Archivfassung 2011)
  2. Wikipedia: Reußenkoog
  3. Land Schleswig-Holstein: Anlagen- und Deichverzeichnis (AWGV), Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Sielverband Reußenkoog (Hrsg.): 200 Jahre Reußenkoog 1789-1989, Bräist/Bredstedt 1989.
  • Thomas Steensen: Ein Koog mitten in Nordfriesland. Festvortrag zum 200jährigen Bestehen des Reußenkooges. In: ZEW 1990, S. 72-80.
  • Harry Kunz, Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. Bredstedt 1997, ISBN 3-88007-251-5