Reußenköge
Reußenköge ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, in der Bredstedter Bucht zwischen Geestrand und Wattenmeer. Auf 45,91 Quadratkilometern leben 298 Einwohner (Stand Ende 2025).
Die Gemeinde besteht nicht aus Dörfern, sondern aus sieben Kögen und der Hamburger Hallig. Die Sturmfluten von 1362 und 1634 verlagerten die Festlandküste fast bis an den Geestrand und rissen eine Bucht ins Land, die nach Bredstedt benannt ist. König Christian IV. wollte sie zwischen dem Hattstedter Koog und Ockholm in einem Zug eindeichen und gab dem Vorhaben den Namen Bredstedter Werk. Die Eisflut vom 10. Januar 1625 machte diesen Plan zunichte, und auch Schenkeldeiche um 1716 und 1717 brachten keinen Erfolg. Die Hamburger Hallig ist der älteste Teil der Gemeinde; sie gehörte im 17. Jahrhundert zum Amsinckkoog auf Alt-Nordstrand und überstand die Burchardiflut.
Sieben Köge in zwei Jahrhunderten
1728 erwarben der Geheimrat Jean Henri Huguetan Graf von Gyldensteen und sein Sohn Jean Henri Desmercières die Rechte der früheren Besitzer, 1733 kam das Oktroy König Christians VI. hinzu; eingedeicht wurde daraufhin nicht das gesamte Gebiet, sondern abschnittsweise nur das ausreichend aufgeschlickte Vorland. Der Deichschluss des Sophien-Magdalenen-Kooges fiel 1741, ein Jahr später stand das Land zum Verkauf und wurde in sieben Hofstellen aufgeteilt. 1767 folgte der Desmerciereskoog, benannt nach seinem Erbauer. Nach dessen Tod ging das Deichbaurecht per Fideikommiss auf Graf Heinrich XLIII. Reuß zu Köstritz über, den Sohn einer Nichte, der 1789 den Reußenkoog und 1799 den Louisen-Reußen-Koog gewann.
1903 begann die nächste Reihe mit dem Cecilienkoog, der aus der Pieckhallig, der Meedhallig und der Jacobshallig hervorging. Namensgeberin war Cecilie von Mecklenburg-Schwerin, eine Urenkelin des Hauses Reuß. Von 1925 an entstand der Sönke-Nissen-Koog, der 1927 zur Gemeinde kam; ein Jahr später wurde der Gutsbezirk Hamburger Hallig eingemeindet. Der nördliche Teil des 1987 fertiggestellten Beltringharder Kooges kam 1996 hinzu und besteht überwiegend aus einem Süßwasserbiotop und einem Speicherbecken. Den Namen Reußenköge trägt die Landgemeinde seit 1871, amtsfrei ist sie mit einer kurzen Unterbrechung seit Dezember 1929.
Windkraft und Denkmalschutz
1983 nahm im Cecilienkoog die erste serienmäßige Windkraftanlage Deutschlands den Betrieb auf. Heute stehen in der Gemeinde mehrere Dutzend Anlagen, die meisten in privater Hand, dazu Photovoltaik vor allem im Cecilienkoog. Die Höfe im Sönke-Nissen-Koog entstanden nach Entwürfen des Architekten Heinrich Stav: ähnlicher Grundriss, weiße Außenwände, grüne Dächer. 24 von ihnen stehen seit 2005 unter Denkmalschutz. Am Deichübergang zur Hamburger Hallig informiert das Amsinck-Haus über die Region.
Der Beltringharder Koog ist das größte Naturschutzgebiet auf dem Festland Schleswig-Holsteins und für Vogelkundler von Interesse. Vor der Gemeinde liegt der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Weitere Punkte im Gelände sind der Engelsplatz im Desmerciereskoog und das Desmercières-Denkmal im Sophien-Magdalenen-Koog, wo eine Gedenktafel an der Koogshalle an den Grafen erinnert. Die Verwaltungsgeschäfte führt seit 2008 das Amt Mittleres Nordfriesland, dessen Gebäude in Bredstedt der Gemeinde gehört.
Verwandte Einträge
- Beltringharder Koog
- Cecilienkoog
- Desmerciereskoog
- Louisen-Reußen-Koog
- Reußenkoog
- Sönke-Nissen-Koog
- Sophie-Magdalenen-Koog
- Bredstedt
- Hamburger Hallig
Zu den Angaben
Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte ist der amtliche Mittelpunkt des Gemeindegebiets.