Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog

Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, im äußersten nordwestlichen Festlandszipfel des Kreises, rund fünfzehn Kilometer nordwestlich von Niebüll. Auf 13,49 Quadratkilometern leben 162 Einwohner (Stand Ende 2025).

Das Gemeindegebiet besteht ausschließlich aus dem gleichnamigen Koog und grenzt unmittelbar an das Nordfriesische Wattenmeer im Bereich des Osterleys. Es ist damit die jüngste Marschengemeinde des Kreises und der letzte Koog in Schleswig-Holstein, der allein zur Landgewinnung angelegt wurde; spätere Eindeichungen wie der Hauke-Haien-Koog und der Beltringharder Koog dienten dem Küstenschutz. Der Boden ist eine junge Kalkmarsch, die etwa auf Normalhöhennull liegt. Angrenzende Gemeinden sind Klanxbüll im Norden und Osten und Emmelsbüll-Horsbüll im Südosten.

Der Deichbau von 1954

Die Eindeichung mit einem 8,5 Kilometer langen Außendeich war das größte Deichbauvorhaben der Nachkriegszeit in Schleswig-Holstein. Sie gehörte zum Programm Nord, das Ministerpräsident Friedrich Wilhelm Lübke vorantrieb, der Namensgeber der Gemeinde; gebraucht wurde Siedlungsland für Flüchtlinge und Vertriebene. Zum ersten Mal baute man einen Deich in unvorbereitetes Wattenmeer hinein, während bis dahin nur Gebiete eingedeicht wurden, in denen sich schon Land gebildet hatte. Rund eintausend Arbeiter waren beteiligt. Am 16. und 17. September 1954 zerstörte eine Sturmflut große Teile der Deichschlussbrücke und spülte Baumaterial weg, doch am 21. Oktober 1954 konnte der Deich geschlossen werden.

Danach musste das Land entwässert und erschlossen werden, erst 1958 und 1959 bezogen die ersten Familien ihre Höfe. Sie gleichen sich, weil sie aus einem Architektenwettbewerb hervorgingen. Zur ursprünglichen Besiedlung gehörten 41 Einheits-Bauernhöfe, eine Schule und eine Gastwirtschaft mit Krämerladen; angesiedelt wurden zu gleichen Teilen einheimische Bauern und Vertriebene aus den Ostgebieten. Von den 41 Höfen sind noch zwanzig Vollerwerbs- und drei Nebenerwerbsbetriebe geblieben, überwiegend mit Ackerbau und Schweinehaltung, dazu drei Milchbetriebe. Angebaut werden Raps, Weizen und Zuckerrüben, einige Höfe bewirtschaften Nachfahren der ersten Siedler.

Der zweite Wirtschaftszweig ist die Energiewirtschaft, die Windkraftanlagen prägen die weite, flache Landschaft. Seit Herbst 2018 erproben die Gemeinde, der Infrastrukturbetrieb des Bürgerwindparks und weitere Beteiligte ein Modellprojekt zur Sektorenkopplung, bei dem Ölbrennwertkessel und erneuerbarer Strom in einem Hybridheizsystem zusammenarbeiten. Entwässert wird der Koog über ein Schöpfwerk im südwestlichen Deichabschnitt, binnendeichs liegen mehrere verbundene Staubecken zur Regulierung der Pegelstände; zuständig ist der Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel. Der Landesschutzdeich wird seit 1998 im Rahmen des Generalplans abschnittsweise erhöht und erhält dabei ein besseres Profil. Der Tassenpegel steht als technisches Denkmal in der Denkmalliste des Landes.

Dorfschule und Kindergarten sind geschlossen. Die Kleinsten werden in Klanxbüll betreut, die Grundschulzeit beginnt in Emmelsbüll-Horsbüll, weiterführende Schulen gibt es in Neukirchen und Niebüll. 2001 wurde das Werner-Weckwerth-Museum eingerichtet, das auf rund 300 Quadratmetern das Vermächtnis des Berliner Malers zeigt, der ab 1987 in Nordfriesland lebte. Erreichbar ist die Gemeinde über die Landesstraße 8 aus Klanxbüll, wo auch die nächste Bahnstation liegt.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Zur Höhe des Landesschutzdeiches gehen die Angaben auseinander: die frühere Nordfriesland-Datenbank nennt eine abschnittsweise Erhöhung von 6,80 auf 7,20 Meter über Normalnull, die Wikipedia gibt die heutige Höhe mit bis zu 8,30 Meter über Normalhöhennull an. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Schleswig-Holstein Topographie, HN 18.7.2003.