Galmsbüll

Friesisch: Galmsbel · Dänisch: bøl

Galmsbüll ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, westlich von Niebüll in den Kögen der früheren Dagebüller Bucht. Auf 49,05 Quadratkilometern leben 555 Einwohner (Stand Ende 2025).

Der Name bedeutet Siedlung des Galm. Die heutige Gemeinde entstand 1974 aus den Koogsgemeinden Christian-Albrechts-Koog, Kleiseerkoog und Marienkoog und ist die größte ländliche Flächengemeinde des Kreises. Benannt ist sie nach einer Hallig, die Anfang des 19. Jahrhunderts unterging. Deren Gebiet liegt heute teilweise im Galmsbüllkoog, weshalb der geschlossene Ortskern Neugalmsbüll heißt. Alle übrigen Siedlungen sind Streusiedlungen.

Die Hallig Galmsbüll

Als Insel erscheint Galmsbüll erstmals in der Mitte des 13. Jahrhunderts im Erdbuch des dänischen Königs Waldemar II. Damals war sie etwas größer als Oland und gehörte zu den wichtigsten Salzabbaugebieten der Westküste. Ab 1462 ist im Zinsbuch des Schleswiger Domkapitels eine Kirche verzeichnet. Pläne des 17. Jahrhunderts wollten die Dagebüller Bucht samt der Hallig eindeichen, doch machte die Burchardiflut von 1634 das weit fortgeschrittene Werk zunichte. Die vertieften Wattströme, besonders das Kleiseetief, ließen sich danach nicht mehr abdämmen.

1701 verband ein Damm die Hallig fest mit dem Festland, bedeicht wurde sie jedoch nie. Ein Visitationsbericht von 1710 zählte etwa 80 Haushalte und bezeichnete Galmsbüll als ärmste Kirchengemeinde des Herzogtums Schleswig. Bei der Weihnachtsflut von 1717 stand das Wasser in der Kirche, Pastorat, Küster- und Lehrerhaus wurden zerstört. Von vier Warften blieb bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts eine übrig, die ohne Vorland am Meer lag. Trotzdem errichteten die Bewohner 1749 an derselben Stelle eine Steinkirche, für die sie sich hoch verschuldeten.

Die Salzsiederei, neben der Seefahrt die Haupteinnahme, endete 1782. Entlang des Damms war bis 1780 deichfähiges Land angewachsen, weshalb 1788 der Beschluss fiel, die Hallig aufzugeben und den Anwachs zu bedeichen. Weil die Kirche einzustürzen drohte, wurde sie 1800 abgebrochen und das Kirchspiel aufgelöst. Aus ihren Steinen entstand ein Armenhaus, in dem auch Gottesdienste stattfanden. In der Halligflut von 1825 ging die letzte Warft unter.

Fünf Köge

Herzog Christian Albrecht warb 1681 mit einem Oktroy um Geldgeber für die Bedeichung des Anwachses in der Dagebüller Bucht. Ein Jahr später war der Deich des Alten Christian-Albrechts-Kooges geschlossen, und die Beteiligten aus der Wiedingharde, der Bökingharde und der Karrharde erhielten Land nach dem Maß ihrer Einlage. Der Neue Christian-Albrechts-Koog folgte 1705, der Kleiseerkoog um 1725. Den Marienkoog von 1798 benannte man nach Maria von Hessen-Kassel, der Frau König Friedrichs VI., und hier fanden die Halligbewohner ein neues Zuhause. Der Galmsbüllkoog begann 1913 als Sommerkoog und wurde 1939 bedeicht, die ersten Häuser bezogen die Siedler dort aber erst 1950.

Eine eigene Kirche fehlte den Koogsgemeinden fast neunzig Jahre lang. 1876 schlossen sie sich zur Kirchengemeinde Galmsbüll zusammen, und 1891 stand der neugotische Backsteinbau von Heinrich Moldenschardt. Sein ornamentaler Sgraffitoputz ist in Nordeuropa einmalig, das Inventar stammt aus einer Werkstatt der Bauzeit, und der mittelalterliche Granittaufstein gehörte zuvor der Rickelsbüller Kirche. Der 38 Meter hohe Westturm ist weithin zu sehen.

Landwirtschaft mit Weizen, Raps und Saatkartoffeln und die Windenergie tragen die Gemeinde heute. Auf dem Hof Mangelmehl im Alten Christian-Albrechts-Koog wurde 1970 die Deutschstunde nach dem Roman von Siegfried Lenz gedreht.

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Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Zur Herkunft der Taufe in der Gallus-Kirche gehen die Quellen auseinander: die frühere Nordfriesland-Datenbank führt eine Barocktaufe auf das Hallig-Kirchlein zurück, die Wikipedia nennt als einziges Stück von dort den Kronleuchter und berichtet, die hölzerne Taufe sei nach Westerland gegeben worden. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Galmsbüll (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Galmsbüll
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Schleswig-Holstein Topographie, HN 24./25.7.2003.