Gröde

Friesisch: e Grooe

Gröde ist eine Hallig im nordfriesischen Wattenmeer, etwa 6,5 Kilometer vor dem Seedeich des Sönke-Nissen-Kooges. Auf 2,52 Quadratkilometern leben 6 Einwohner (Stand Ende 2025).

Der Name bedeutet Anwachs und geht auf friesisch grööd zurück, verwandt mit dem mittelniederdeutschen grove und dem englischen to grow. Urkundlich erscheint die Hallig im 15. Jahrhundert. Sie besteht aus zwei Teilen: im Süden das bewohnte Gröde, im Norden das nicht mehr bewohnte Appelland, die um 1900 durch eine Uferbefestigung verbunden wurden. Ein von Südwest nach Nordost verlaufender Priel markiert den Übergang noch heute. Zur Gemeinde zählt außerdem Habel, das nur eine Warft mit einer im Sommer besetzten Vogelschutzstation trägt.

Zwei Warften und der Ringdeich

Ein nur etwa 3,50 Meter hoher Ringwall umgibt die Hallig, bei höheren Wasserständen läuft das Land voll. Die Bewohner leben deshalb auf zwei erhöhten Warften: der Knudtswarft mit vier Höfen und einem Fething dazwischen und der kleineren Kirchwarft, die mit 4,3 Metern über Normalhöhennull der höchste Punkt ist. Wie auf allen Halligen hat jedes Wohnhaus im ersten Stock einen Schutzraum, der auf vier Betonpfeilern steht, und diese sind etwa vier Meter tief im Warftboden gegründet. Nach der Flut von 1962 setzten die Bewohner für die Knudtswarft abweichend von anderen Halligen eine Reetbedachung durch. Jedes Landunter muss gemeldet werden.

Auf der Kirchwarft stehen Kirche, Schule und Lehrerwohnung unter einem Dach, daneben liegt der Friedhof. Der Kirchraum von 1779 ist bereits der siebte Bau seit der Mandränke von 1362. Sein Vorgänger musste 1615 abgebrochen und landeinwärts neu errichtet werden, die Eisflut von 1625 und die Burchardiflut von 1634 zerstörten ihn erneut, 1717 litt er wieder, um 1721 wurde er abgebrochen. Bei der Februarflut von 1825 stürzten Westwand, Giebel und zwei Fächer des Daches ein, und erst die staatliche Befestigung des Halligufers im Jahr 1899 bewahrte den heutigen Bau.

Zur Ausstattung gehören ein Renaissancealtar von 1592 mit zwei Klappflügeln, eine vierseitige Kanzel, ein achteckiger Schalldeckel mit Engelsköpfchen von 1695 und ein Taufstein von 1705. Ein Triumphkreuz um 1500 stammt noch von einem früheren Gotteshaus. Gröde bildet eine eigene Kirchengemeinde, betreut wird sie von der Pfarrstelle Langeneß; je nach Wetterlage findet alle vier bis fünf Wochen ein Gottesdienst statt. Schule und Lehrerwohnung stehen seit 2012 leer. Nahe dem Weg zum Schiffsanleger liegt die Ende des 19. Jahrhunderts zerstörte Neu-Peterswarft, die heute als Lagerplatz für Baumaterial dient.

1825 lebten auf Gröde noch 90 Menschen, bis 1874 halbierte sich die Zahl. Die Sturmflut von 1962 drang in die Gebäude, zerstörte mehrere Häuser, ließ Vieh ertrinken und versalzte die Wasservorräte; 1976 stand das Wasser in Wohnungen bis 1,30 Meter hoch, Ölheizungen fielen aus und der Strom blieb tagelang weg. Erst 1976 kamen Strom- und Trinkwasserleitung vom Festland; davor heizte man mit getrocknetem Kuhdung, den Ditten, und sammelte Wasser in Brunnen, Fethingen und Zisternen. Das Grasland wird als letzte Hallig in Allmendewirtschaft beweidet, gehalten werden nur Schafe, dazu kommt im Sommer Pensionsvieh vom Festland.

Im Frühjahr rasten 10.000 bis 15.000 Ringelgänse auf den Salzwiesen und legen Reserven für den Weiterflug nach Sibirien an, im Sommer blüht der Strandflieder. Neben der Landwirtschaft dient der Küstenschutz dem Broterwerb, dazu kommen Ferienwohnungen und ein Kiosk für den Tagestourismus, der im Sommer bis zu 150 Besucher am Tag bringt. Lebensmittel und Post kommen per Schiff, Autoverkehr gibt es nicht. Weil die Gemeinde weniger als siebzig Einwohner hat, tritt an die Stelle der Gemeindevertretung eine Gemeindeversammlung aller Wahlberechtigten. Als kleinster Wahlbezirk Deutschlands war Gröde lange für das erste Wahlergebnis des Abends gut, seit 2013 wählen die Bewohner per Brief.

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Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Wie oft die Hallig im Jahr überflutet wird, geben die Quellen unterschiedlich an: die Wikipedia nennt zwanzig bis dreißig Landunter, die frühere Nordfriesland-Datenbank etwa fünfzig. Auch die Kanzel der Kirche wird einmal ins 16., einmal ins späte 18. Jahrhundert datiert. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Gröde (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Gröde
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Erich Wohlenberg: Die Halligen Nordfrieslands, Heide 1969.