Hattstedt

Friesisch: Haatst

Hattstedt ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, am Nordrand der Bredstedt-Husumer Geest, rund fünf Kilometer nördlich von Husum. Auf 7,01 Quadratkilometern leben 2.646 Einwohner (Stand Ende 2025).

Das Dorf liegt dort, wo der höhere Sandboden der Geest an die Nordfriesische Marsch stößt; historisch gehörte es zur Südergoesharde. Im Waldemar-Erdbuch von 1231 erscheint es als Hattastath, der Name verweist auf einen Mann namens Hatti oder Hatto. Besiedelt war die Gegend viel länger: Klingen und ein Felsgesteinbeil stammen aus der Jungsteinzeit, ein Urnenfriedhof wird in die Eisenzeit datiert, Siedlungsreste in die römische Kaiserzeit. 2024 entdeckten Archäologen zwei bis dahin unbekannte Großsteingräber, dazu ein vollständiges Gefäß der Trichterbecherkultur, Steinbeile und Keramikscherben.

Marienkirche und Turm

Der Ostteil der Marienkirche entstand um 1200, erstmals genannt wird sie um 1240. Später kamen das lange Schiff mit Rundbogenfenstern und Spitzbogenportalen sowie der spätgotische Westturm hinzu, der 50 Meter hoch ist und weithin über die Marsch zu sehen ist. Der dreiteilige Schnitzaltar von etwa 1475 zeigt im Mittelschrein eine figurenreiche Kreuzigung. Die spätromanische Kalksteintaufe wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts auf Gotland gefertigt. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen die reich geschnitzte Korbkanzel, die C. Heim 1641 schuf, und das Gestühl von 1702 mit barocken Wangenköpfen.

Bei der Sturmflut von 1362 stand auch das flache Land vor dem Geestrücken unter Wasser. Um 1460 wirkten die Bewohner des Kirchspiels an der Eindeichung der Hattstedtermarsch mit, die bis 1803 Hattstedter Alter Koog hieß. Die hohen Deichlasten minderten den Wohlstand des Dorfes empfindlich. Aus dem Kirchspiel wurde in preußischer Zeit eine Kirchspielslandgemeinde mit den Dorfschaften Hattstedt, Hattstedtermarsch, Horstedt und Wobbenbüll; sie wurde am 1. April 1934 aufgelöst. Ein Armenhaus von 1864 ist erhalten und heute in Privatbesitz.

Storm und der Deichgraf

Theodor Storm war häufig hier zu Gast, weil er mit dem Sohn des Hattstedter Pastors die Gelehrtenschule in Husum besuchte. Im Juni 1866 heiratete er seine zweite Frau Dorothea Jensen nicht in der Kirche, sondern im Kompastorat am Lindenweg unter den Storm-Linden, die dort noch stehen. Auf dem Friedhof liegt der Deichgraf Iwersen-Schmidt, ein Freund Storms, der ihm als Vorbild für den alten Deichgrafen im Schimmelreiter gedient haben soll. Auch für den grauen Kirchturm in Aquis submersus gilt der Hattstedter Bau als mögliche Vorlage, und die Novelle Zur Chronik von Grieshuus trägt den Ortsnamen in die Literatur.

In den letzten Jahrzehnten wandelte sich das Bauerndorf zum Wohnort mit großen Einfamilienhausgebieten, vor allem am westlichen Rand in Richtung Wobbenbüll. Raumordnerisch gehört Hattstedt zum Stadt-Umlandbereich der Kreisstadt. Die Marschbahn durchquert den Ort, Züge halten hier seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr; die nächste Station liegt in Husum. Für den Bau des Nordstrander Damms wurde ab 1933 im Westen eine Geestkuppe abgetragen, deren Entnahmestelle noch erkennbar ist und seit 1988 zum Landschaftsschutzgebiet Schobüller Berg gehört. Auf dem Mikkelberg, dem früheren Mühlenberg, ist ein nordisches Kunst- und Cricketzentrum in die Reste einer Holländermühle von 1710 eingebaut.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Hattstedt (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Hattstedt
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL