Viöl
Viöl ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, am Oberlauf der Arlau nordöstlich von Husum. Auf 18,96 Quadratkilometern leben 2.370 Einwohner (Stand Ende 2025).
Der Ortsname ist um 1389 erstmals bezeugt und geht auf das altdänische Fialdæ zurück. Gemeint ist damit eine Außenmark, ein unkultiviertes Feld; verwandt ist das Wort mit dem deutschen Feld und mit altnordisch fjall für Hochland. Der Name kann sich nicht nur auf den Ort, sondern auch auf den Landstrich beziehen, ähnlich wie bei Ostenfeld in der Nachbarschaft. Bis um 1900 lag Viöl zwischen Heide und Wiesen, erst mit dem Bau der Bahnstrecken nach Husum, Bredstedt und Flensburg wuchs es rasch. Die Strecke nach Flensburg wurde 1959 stillgelegt.
St. Christophorus
Auf dem Geestrücken entstand um 1100 eine Feldsteinkirche, die als Wehrkirche diente. Original erhalten ist davon nur das Portal, denn der heutige Backsteinbau stammt größtenteils aus der Zeit um 1200, der Westturm von 1450. Das Kreuz im romanischen Tympanon des Südeingangs wurde aus einem Granitfindling herausgearbeitet. Auf dem Dachboden kam eher zufällig die Viöler Madonna zum Vorschein; das Original steht heute im Stadtmuseum Flensburg, in der Kirche hängt eine Kopie.
Fjoldemål
Bis ins 20. Jahrhundert sprach man in Viöl und Umgebung eine abgesonderte Form des südjütischen Dialekts, das Viöler Dänisch oder Fjoldemål. Die letzte Sprecherin starb 1937. Verwandte Mundarten halten sich noch in Nordschleswig und in grenznahen Gemeinden zwischen Flensburg und Niebüll. Auch die Ortsnamen der Umgebung kommen aus dem Dänischen: Eckstock bedeutet Eichenstock, Hoxtrup Dorf des Hok und Kragelund Krähengehölz. Damit gehört Viöl zu den Orten, an denen sich die Mehrsprachigkeit Nordfrieslands ablesen lässt.
Kirchspiel und Gemeinde
Das Kirchspiel Viöl war Teil der Nordergoesharde, die bis 1785 vom Amt Flensburg und danach vom Amt Bredstedt verwaltet wurde. Nach der Gründung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein 1866 bildete sich daraus eine Kirchspielslandgemeinde mit sechzehn Dorfschaften, von Behrendorf und Bondelum bis Sollwitt und Viöl. Im April 1934 wurde sie aufgelöst, und im Dezember desselben Jahres schloss sich Viöl mit Boxlund und Eckstock zu einer neuen Gemeinde zusammen. Hochviöl und Hoxtrup kamen 1976 hinzu. Heute gehören außerdem Kragelund, Ackebroe und Lurup zum Gemeindegebiet.
Bei der Reichstagswahl 1933 erhielt die NSDAP in Viöl 93,1 Prozent der Stimmen und damit das höchste Ergebnis aller Gemeinden im Deutschen Reich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Ort durch den Zuzug von Heimatvertriebenen, und der Strukturwandel löste ihn von der Landwirtschaft.
Als ländlicher Zentralort hält Viöl heute ein breites Angebot an Handel und Dienstleistungen vor und ist Sitz eines Schulverbands, der die Grund- und Gemeinschaftsschule für Viöl, Ohrstedt und Haselund trägt. Historisch bemerkenswert bleibt ein Besuch von 1713: Während des Großen Nordischen Krieges übernachtete Zar Peter der Große mit der Zarin im Pastorat. An der Arlau stand ab 1750 eine Wassermühle, dazu von 1870 an eine Windmühle an der Landstraße nach Flensburg, die bis 1951 arbeitete und 2006 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.
Zu den Angaben
Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.