Sönke Nissen
Sönke Nissen, geboren 1870 in Klockries, gestorben 1923 in Glinde, war Tiefbauingenieur und Unternehmer.
Aufgewachsen als Sohn eines Zimmermanns in Klockries, heute Teil von Risum-Lindholm, lernte er zunächst im Betrieb des Vaters und besuchte danach die Baugewerkschule in Hamburg. Eine Bewerbung als Deichinspektor beim Kreis Tondern blieb erfolglos, er kam nicht in die engere Wahl. Ende 1898 stellte ihn die Berliner Bauunternehmung Lenz und Co. als Techniker ein, die vor allem Kleinbahnen im Auftrag des Deutschen Reiches baute.
Eisenbahnbau in den Kolonien
Ab 1903 arbeitete er am Ausbau der Usambarabahn in Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania. Die Strecke wurde vor dem festgesetzten Termin fertig, er stieg zum Oberingenieur auf und erhielt eine hohe Sondervergütung, den Grundstock seines Vermögens. Im Dezember 1905 wechselte er nach Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, und übernahm einen Abschnitt der Lüderitzbahn. Der Teil von Lüderitzbucht bis Kubub ging am 31. Oktober 1906 in Betrieb, die Weiterführung nach Keetmanshoop wurde im Juni 1908 eingeweiht.
Für den Streckenbau setzte er gezielt kriegsgefangene Herero und Nama ein, denen wegen ihres Status kein Lohn gezahlt werden musste. Eine Kieler Untersuchung von 2023 nennt für diese Arbeiter eine Todesrate von 67 Prozent und hält fest, dass Nissen das nicht nur in Kauf nahm, sondern davon profitierte.
1908 fand der Arbeiter Zacharias Lewala bei Lüderitz einen Diamanten. Gemeinsam mit dem Bahnmeister August Stauch, dem Regierungsbaumeister Max Weidtmann und der Firma Lenz und Co. sicherte er sich in der Diamanten-Schürfgesellschaft Kolmannskuppe die Schürfrechte auf rund 22.000 Hektar und wurde binnen kurzer Zeit mehrfacher Millionär. Eingeweiht hatten ihn Stauch und Weidtmann, weil sie das Geld für die Rechte selbst nicht aufbringen konnten. 1909 kehrte er nach Deutschland zurück, wohnte zunächst in Berlin und erwarb 1912 das 500 Hektar große Gut Glinde, das er zum landwirtschaftlichen Musterbetrieb ausbaute.
Der Koog vor Bredstedt
Nach dem Ersten Weltkrieg half er, die wirtschaftliche Not zu lindern, auch in seinem Heimatdorf und dessen Umgebung. Als 1921 die Pläne zur Bedeichung des weiten Vorlandes vor Bredstedt zwischen Ockholm und dem Cecilienkoog wieder aufgenommen wurden, fehlte dem Staat das Geld. Er trat als Hauptfinancier und Darlehensgeber der bäuerlichen Interessenten auf und ermöglichte damit die letzte auf genossenschaftlicher Grundlage vorgenommene Eindeichung.
Den ersten Spatenstich im April 1924 erlebte er nicht mehr. Sieben Höfe im Sönke-Nissen-Koog gingen als Gegenleistung für die Finanzierung an seine Nachfahren; ihre Namen gehen auf Bahnhöfe der Strecke von Lüderitz nach Keetmanshoop zurück. In Klockries trägt ein Weg seinen Namen, der Sönke-Nissen-Wäi.
Zu den Angaben
Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Die beiden Angaben schließen sich nicht aus, sie betreffen zwei Schritte. Die Beteiligung an der Diamanten-Schürfgesellschaft Kolmannskuppe ist belegt; die Unterlagen dazu hat eine Kieler Untersuchung von 2023 ausgewertet, das Stormarn-Lexikon nennt dieselben Partner. An der Kolonialen Bergbau-Gesellschaft mbH, die am 5. Januar 1909 in Berlin entstand, soll Nissen 20 Prozent gehalten und zum Gründerkreis gezählt haben; dafür fand sich jeweils nur eine Darstellung, das Berliner Handelsregister und der Gesellschaftsvertrag sind nicht geprüft. Beim Vorlauf für den Bahnbau stehen weiterhin vier und fünf Monate nebeneinander. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.
Quellen
Weiterführende Literatur
- Thomas Steensen: Im Zeichen einer neuen Zeit. Nordfriesland 1800 bis 1918, Bräist/Bredstedt 2005.