Risum-Lindholm
Friesisch: Risem-Lonham
Risum-Lindholm ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, gut vier Kilometer südöstlich von Niebüll am Rand der Marsch. Auf 36,03 Quadratkilometern leben 3.895 Einwohner (Stand Ende 2025).
Die beiden Dörfer, deren Namen die Gemeinde trägt, liegen auf einer eiszeitlichen Sanderinsel. Benannt ist sie nach dem Risummoor, einem Hochmoor, das dort noch im Mittelalter bestand. Risum erscheint gemeinsam mit Lindholm im Erdbuch König Waldemars als Teil der Bökingharde; urkundlich greifbar wird der eine Name im 14. Jahrhundert, der andere ein Jahrhundert später. Der eine bedeutet zu den Büschen, der andere Erhebung bei Linden.
Deiche und Sturmfluten
Nachdem das Meer nach der Flut von 1362 bis an die Sanderinsel vordrang, wurden die gefährdeten Ränder bedeicht. Aus diesem mittelalterlichen Deich ging der Risummooringer Kornkoog hervor, dessen Linie 1580 verstärkt wurde. Ein Damm nach Stedesand brachte im 15. Jahrhundert den Großen Kohldammer Koog ein, 1554 folgte der Kleine Kohldammer Koog. Dessen Deich brach in der Burchardiflut von 1634, allein in Risum starben 402 Menschen. Die Lücke in der Deichlinie blieb bis zur Gewinnung des Maasbüller Herrenkooges 1641 offen.
Zentrum der Festlandfriesen
Als kulturelles Zentrum der Festlandnordfriesen ist die Gemeinde über die Region hinaus bekannt. Der örtliche Ostermooringer Dialekt des Nordfriesischen hat hier mehr Sprecher als in den meisten anderen Orten und wird in drei Schulen unterrichtet, darunter die dänische Risum Skole. Alle Straßennamen der Neubaugebiete sind friesisch; sie erinnern an Berufe, Flurnamen und ortsbekannte Personen. Zweimal wurde die Gemeinde als sprachenfreundliche Gemeinde ausgezeichnet.
Im Ortsteil Klockries steht das Andersen-Haus, ein utlandfriesisches Haus von 1723, das der Ostermooringer Friesenverein 1989 erwarb und seither für Märkte, Konzerte und Feiern nutzt. Aus Klockries stammte der Eisenbahningenieur Sönke Nissen, nach dem eine Straße im Ort benannt ist. Die Kirchen in Risum und Lindholm gehen im Kern auf das 13. Jahrhundert zurück und erhielten ihre heutige Gestalt im 18. Jahrhundert. Beide haben einen freistehenden Glockenstapel und mittelalterliche Ausstattungsstücke. Nach einer Sage der Seherin Hertje von Horsbüll wird die Lindholmer Michaeliskirche als letzte Kirche stehen bleiben, wenn alle anderen in einer Flut untergegangen sind.
Die heutige Gemeinde entstand 1969 aus den bis dahin selbstständigen Gemeinden Risum und Lindholm. Weil sich das Gebiet über mehrere Kilometer erstreckt, ist im Sprachgebrauch meist vom jeweiligen Ortsteil die Rede, etwa von Maasbüll, Klockries, Wegacker oder Kremperhaus. Die Bundesstraße 5 durchquert Lindholm, die Marschbahn kreuzt das Gemeindegebiet ohne Reisezughalt; der Bahnhof arbeitet nur noch als Betriebsstelle und trägt seit 2005 eine zweisprachige Beschilderung. Ein Bedarfshalt in Maasbüll liegt an der Strecke nach Dagebüll. Im Ort sitzt der Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel.
Verwandte Einträge
- Sturmfluten
- Utlandfriesisches Haus
- Maasbüller Herrenkoog
- Risummooringer Kornkoog
- Sönke-Nissen-Koog
- Niebüll
- Nissen, Sönke
Zu den Angaben
Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.