Johann Claussen Rollwagen

Johann Claussen Rollwagen, geboren 1563, gestorben 1623, war Generaldeichgraf.

Als Makler und Kaufmann wurde Rollwagen in Amsterdam und Alkmaar vermögend. Um 1601 trat er gemeinsam mit einem reformierten Pfarrer in Flugschriften für Religionsfreiheit ein, was ihm einen heftigen Streit mit den niederländischen Calvinisten eintrug. Erste Deicharbeiten führte er um 1603 im ostfriesischen Schoonorther Polder aus, kurz darauf am Dollart. Für die gottorfschen Anteile Nordfrieslands schuf Herzog Johann Adolf von Gottorf 1609 das Amt eines Generaldeichgrafen und übertrug es ihm. Wohnen sollte er nach dem Willen des Herzogs im Schloss zu Tönning.

Sechs Köge in vier Jahren

Ruhm brachte ihm die Wiedergewinnung des Gotteskooges. Danach folgten in Eiderstedt der Sieversflether Koog 1610, der Augustenkoog bei Westerhever und der Freesenkoog bei Koldenbüttel 1611, der Harbleker Koog 1612 sowie Dreilandenkoog und Süderfriedrichskoog 1613. Im selben Jahr wurde der Tönninger Hafen fertig, außerdem war er an den Bootfahrten von Tönning nach Tetenbüll und von Garding nach Katingsiel beteiligt. Für die Eiderstedter Mennoniten setzte er einige Vorrechte durch.

Beim Bau ging er nach niederländischem Muster vor und veränderte damit das Handwerk. Erde wurde in Schubkarren bewegt statt in Sturzkarren hinter Pferden, die Arbeit übernahmen spezialisierte Unternehmer mit ihren Tagelöhnern, und an die Stelle der steil abfallenden hölzernen Stackdeiche traten reine Erddeiche mit flachen Böschungen. Die flache Außenböschung fing die Wucht der Wellen besser ab, brauchte aber viel Platz. Mehr zu den Bauformen steht beim Deichbau.

Streit und Abschied

Der flache Deich brauchte Vorland, und dieses Vorland hatte den Eigentümern bis dahin als Sommerweide gedient. Zusammen mit dem Misstrauen gegen den fremden Fachmann, der selbst am Oktroy beteiligt war, und mit der Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen führte das 1613 zu schweren Auseinandersetzungen mit einheimischen Arbeitern. Rollwagens Diener erschoss dabei einen Arbeiter und wurde gelyncht. Noch vor dem Abschluss der Tönninger Arbeiten kehrte Rollwagen nach Alkmaar zurück; die Fertigstellung übernahm ein Vizedeichgraf.

Ganz aus Nordfriesland verschwand er damit nicht. Herzog Friedrich III. holte ihn 1616 zurück, damit er die Deichschäden ausbesserte, die die Schadensflut des Vorjahres auf Alt-Nordstrand angerichtet hatte. Als Deichbaumeister stand er 1618 noch einem Koogbau bei Cuxhaven vor. Das Amt des Generaldeichgrafen ging an seinen Sohn, der schon 1610 als Landmesser im herzoglichen Dienst stand und später den Rollwagenzug durch den Gotteskoog anlegen ließ.

Zu den Angaben

Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Die Quellen nennen zwei Geburts- und zwei Todesjahre, 1563 oder 1564 und 1623 oder 1624. Auch der Abschied aus Tönning wird verschieden erzählt: Die frühere Nordfriesland-Datenbank berichtet von einem Arbeiteraufstand, der ihn zur Flucht zwang, die Wikipedia von einer Übersiedlung vor dem Ende der Arbeiten. Der Beiname Rollwagen wird oft auf die Einführung der Schubkarre zurückgeführt, ist aber bereits für 1608 bezeugt, als er zum ersten Mal in die Herzogtümer kam. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Rollwagen, Johann Claussen (Archivfassung 2018)
  2. Wikipedia: Johann Clausen Rollwagen

Weiterführende Literatur

  • Dieter Lohmeier: Rollwagen - Claußen - Coott. In: Nordfriesisches Jahrbuch 16 (1980), S. 75; SHBL 6, S. 256.