Aventoft

Friesisch: Oowentoft · Dänisch: Awntåwt

Aventoft ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland, am nördlichen Rand des Gotteskooges unmittelbar an der Staatsgrenze, dort wo die Süderau in die Wiedau mündet. Auf 14,47 Quadratkilometern leben 404 Einwohner (Stand Ende 2025).

Nachdem eine mittelalterliche Sturmflut den Ort von der Wiedingharde abgetrennt hatte, war Aventoft ein Fischerdorf auf einer Geestinsel an der Wiedau. Die Eindeichung des Gotteskoogs im Jahr 1566 verband es wieder mit dem Festland, doch blieb es noch jahrhundertelang von weiten Wasserflächen umgeben. Erst eine wirksame Entwässerung im 20. Jahrhundert machte das umliegende Land nutzbar. Der Ortsname erscheint im 15. Jahrhundert und setzt sich aus dem dänischen toft für einen Siedlungsplatz und dem Personennamen Aghni zusammen.

Südlich der Ortschaft lag in einer Senke der Aventofter See, der zum Feuchtgebiet des Gotteskoogs gehörte und in den 1950er Jahren mit diesem trockengelegt wurde. Dort fanden sich Siedlungsstellen jungsteinzeitlicher Bauern. Zwei Flurnamen erinnern an die Geschichte der Landschaft: Klindt, 1674 erstmals belegt, bezeichnet eine Bodenerhebung westlich der Kirche, und Verlath geht auf niederländische Deichbauer zurück, mittelniederländisch verlaten für durchlassen, und meint die Schleusen zur Entwässerung des Kooges am Südrand des Ruttebüller Sees. Dieser See ist der einzige verbliebene Marschrandsee Deutschlands und heute Teil eines FFH-Gebietes.

Die Saalkirche

Aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt die einschiffige Backsteinkirche, deren Chor 1767 abgerissen und zum Rechtecksaal erweitert wurde. Der neuromanische Westturm kam erst 1911 hinzu. Eine Granittaufe aus dem 12. oder 13. Jahrhundert ist erhalten, ebenso vier mittelalterliche Ausstattungsstücke: ein Kreuzigungsretabel und ein Marienretabel aus der Zeit um 1510 bis 1520, ein Margarethenretabel vom Ende des 15. Jahrhunderts und ein Triumphkreuz um 1510.

Beim Volksentscheid von 1920 stimmten die Dorfbewohner für Deutschland, obwohl Dänisch die Umgangssprache war. Die dänische Minderheit vertritt heute der Südschleswigsche Wählerverband, im Ort gibt es eine dänische Kindertagesstätte. Bis zur Trockenlegung der Feuchtgebiete boten Aalfischerei und Reetwirtschaft gute Einnahmen, inzwischen steht der Grenzhandel im Mittelpunkt: viele Einzelhandelsbetriebe leben von Kundschaft aus Dänemark. Daneben bestehen etwa zehn landwirtschaftliche Betriebe. Die Landesstraße 2 führt nach Süderlügum, die Landesstraße 6 von der Grenze bis nach Ost-Bordelum.

Im Hangar des Segelfluggeländes steht eine Focke-Wulf Weihe 50. Nach dem Vorbild des englischen Buchdorfs Hay-on-Wye entstand in Aventoft mit Bücher ohne Grenzen das erste grenzüberschreitende Buchdorf. Weil der Raum fehlte, zog der Großteil der gesammelten Bücher inzwischen nach Ladelund weiter. Im Gemeindewappen stehen ein Fisch für den Aventofter See, drei Rohrkolben für die Marschlandschaft und ein rot-weißes Schildhaupt für den Schlagbaum an der Grenze.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Einwohnerzahl und Fläche stammen aus dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Stichtag 31. Dezember 2025. Das Jahr der ersten urkundlichen Nennung nennt nur die frühere Nordfriesland-Datenbank, die Wikipedia gibt allein das 15. Jahrhundert an. Deshalb steht hier nur das Jahrhundert. Der Punkt auf der Karte stammt aus OpenStreetMap und zeigt die ungefähre Lage, nicht die Grenzen.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Aventoft (Archivfassung 2019)
  2. Wikipedia: Aventoft
  3. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
  4. Lage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL

Weiterführende Literatur

  • Johannes Moritzen: Aventoft - Das Dorf an der Grenze, Husum 1977.