Rudolf Muuß
Rudolf Muuß, geboren 1892 in Meldorf, gestorben 1972 in Niebüll, war Pastor und Heimatpolitiker.
Muuß stammte aus einem Pfarrhaus und wuchs in Flensburg auf, wo der Vater ab 1896 Pastor war. Schon als Gymnasiast gründete er 1909 eine Gruppe des Wandervogel und leitete die Bewegung später im Landesteil Schleswig. Er studierte Theologie in Tübingen, Kopenhagen, Bonn, Marburg und Kiel und wurde 1914 zum Doktor der Philosophie promoviert. Zur Volksabstimmung von 1919 und 1920 arbeitete er als Redner und Journalist für die deutsche Seite, gehörte dem Deutschen Ausschuss an und wurde Chefredakteur des neugegründeten Flensburger Tageblattes. Danach kehrte er ins Pfarramt zurück, zunächst in Tating, ab August 1930 in Stedesand.
Friesische Bewegung und Heimatpolitik
In Nordfriesland begann eine breite kulturpolitische Tätigkeit. Für die Bohmstedter Richtlinien von 1926 brachte er die Ideen des Pastors Johannes Schmidt-Wodder in eine Textform; beschlossen hat sie der Nordfriesische Verein. Unter der Überschrift Wir Nordfriesen sind deutschgesinnt forderten sie die Pflege und Förderung der nordfriesischen Sprache und Kultur in Schule und Kirche, lehnten die Anerkennung als nationale Minderheit aber ab; binnen kurzer Zeit unterschrieben mehr als 13.000 Menschen. 1927 übernahm Muuß den Vorsitz des Nordfriesischen Vereins für Heimatkunde und Heimatliebe. Auf dem Friesenkongress 1930 in Husum wirkte er an der Gründung des ersten Friesenrats für Nord-, Ost- und Westfriesland mit.
1933 war er anfangs den Deutschen Christen zugetan, schloss sich aber noch im Herbst desselben Jahres der Bekennenden Kirche an. Ab 1934 durfte er außerhalb kirchlicher Räume nicht mehr öffentlich sprechen. Vom Vorsitz des Nordfriesischen Vereins trat er zurück, als dieses Redeverbot erging.
Neuaufbau nach 1945
Gleich nach Kriegsende nahm er die Arbeit wieder auf. 1946 gehörte er dem ersten ernannten Landtag von Schleswig-Holstein an, mehrfach ab 1945 auch dem Kreistag von Südtondern. Den Nordfriesischen Verein baute er neu auf, 1947 zählte er zu den Gründern des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes und wurde dessen erster Vorsitzender, 1952 kam die Mitbegründung des Deutschen Heimatbundes hinzu.
Ein besonderes Anliegen war ihm das Niederdeutsche. Er sammelte plattdeutsch predigende Pastoren in einem eigenen Kreis, aus dem 1963 der Arbeidskrink Plattdüütsch in de Kark hervorging, und rief 1952 ein Niederdeutsches Jahr aus. An der plattdeutschen Übersetzung des Neuen Testaments, die 1975 erschien, war er stark beteiligt. Neben mehreren Arbeiten über Rungholt veröffentlichte er die Friesen gemeinsam mit Conrad Borchling, eine Sammlung nordfriesischer Sagen und eine Darstellung der großen Flut vom 11. Oktober 1634.
Zu den Angaben
Die Lebensdaten folgen der Wikipedia und der früheren Nordfriesland-Datenbank. Beide Angaben sind geprüft. Alleinverfasser der Bohmstedter Richtlinien ist zu grob: Nach der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte setzte Muuß die Ideen des Pastors Johannes Schmidt-Wodder in einen Text um, beschlossen hat diesen der Nordfriesische Verein am 12. September 1926. Heinrich Erdmann hat später untersucht, wie Muuß die Richtlinien umdeutete. Die Sammlung Nordfriesische Sagen erschien 1932 in Niebüll, so die Katalogaufnahmen im K10plus und in der HathiTrust Digital Library; eine weitere Aufnahme datiert den Druck auf 1933, das Jahr 1934 ist in keinem geprüften Katalog nachweisbar. Diese Seite ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der alten Datenbank.
Quellen
- Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Muuß, Rudolf (Archivfassung 2010)
- Wikipedia: Rudolf Muuß
- Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Vor 100 Jahren, Bohmstedter Richtlinien
- K10plus, Katalogaufnahme Nordfriesische Sagen, Niebüll 1932
- HathiTrust Digital Library, Katalogaufnahme Nordfriesische Sagen
Weiterführende Literatur
- Thomas Steensen: Rudolf Muuß. Heimatpolitiker in Nordfriesland und Schleswig-Holstein, Husum 1997.