Nordfriesland

Nordfriesland ist die von Friesen besiedelte Landschaft an der Nordwestküste Schleswig-Holsteins, zwischen der Eider und der dänischen Grenze.

Zur Landschaft gehören die Inseln, die Halligen und der Küstenstreifen zwischen Eider und der deutsch-dänischen Grenze. Friesische Siedler nahmen sie in zwei Schüben in Besitz: um 800 zuerst die Geestinseln, um 1100 das weitgehend menschenleere Marschgebiet zwischen Eider und Wiedau. In Abgrenzung zu den anderen Frieslanden verstanden sie sich als Nordfriesen. Historisch umfasst die Region die Utlande, angrenzende Teile der Goesharden und der Karrharde sowie Helgoland.

Geest, Marsch und vier Inseltypen

Das Festland hat Anteil an zwei Landschaftsformen. Die eiszeitliche Geest liegt größtenteils weiter östlich, reicht bei Schobüll aber bis an die Brandungszone; die fruchtbare Marsch bestimmt Eiderstedt und den Streifen zwischen Husum und der Grenze und ist eingedeicht. Vor der Küste lassen sich vier Inseltypen unterscheiden. Sylt, Föhr und Amrum tragen einen Geestkern und sind Reste des großen Westlandes, das das Meer abgetragen hat. Pellworm und das heute als Halbinsel angeschlossene Nordstrand bestehen aus eingedeichtem Marschland, die Halligen aus denselben Meeresablagerungen, aber ohne Deich oder nur mit niedrigen Sommerdeichen, weshalb dort Viehwirtschaft vorherrscht.

Die Felseninsel Helgoland fällt geologisch aus der Reihe. Angelagert an das Festland ist die Hamburger Hallig, die zwar Halligcharakter hat, sich bei normalem Tidenverlauf aber zu Fuß erreichen lässt.

Ein Land ohne eigenen Staat

Ein Zentrum hatte die Region lange nicht. Bis 1864 unterstanden ihre Teile entweder unmittelbar dem Königreich Dänemark oder dem Herzogtum Schleswig, danach Preußen mit den Kreisen Eiderstedt, Husum und Tondern. Ein eigener Staat wurde Nordfriesland nie. Erst die Kreisreform von 1970 fasste die Teile in einer Gebietskörperschaft zusammen, dem Kreis Nordfriesland. Weil dessen Osten nie friesisch besiedelt war und später viele Menschen von außerhalb zuzogen, bilden die Friesen im Kreisgebiet zahlenmäßig eine Minderheit.

Kulturell prägte das Aufeinandertreffen friesischer, dänischer und deutscher Einflüsse die Landschaft. Sie beherbergt so viele heimische Sprachen wie kaum eine andere Gegend Europas, was der Eintrag zur Mehrsprachigkeit genauer behandelt. Das Wattenmeer mit Inseln und Halligen davor gilt als weltweit einmalig.

Verwandte Einträge

Zu den Angaben

Landschaft und Kreis sind nicht dasselbe. Die Region ist etwa ein Drittel kleiner als das Kreisgebiet, weil dieses auch jütisch-dänisch besiedelte Teile der Schleswigschen Geest und Teile Stapelholms umfasst. Umgekehrt zählt Helgoland zur Region, gehört aber zum Kreis Pinneberg. Für den Beginn der friesischen Besiedlung nennt die Wikipedia zwei Zeitangaben, einen Einwanderungsschub um etwa 800 und, an anderer Stelle, eine Besiedlung der Inseln ab etwa 700. Dieser Eintrag ist neu geschrieben und übernimmt keine Formulierungen aus der früheren Nordfriesland-Datenbank.

Quellen

  1. Nordfriisk Instituut: Nordfriesland-Datenbank, Eintrag Nordfriesland (Archivfassung 2009)
  2. Wikipedia: Nordfriesland